Grenen, Skagerrak trifft Kattegat
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Am anderen Morgen als wir Aalburg über eine sehr befahrene Brücke Richtung Frederikshavn verlassen wollten, wurden wir Zeugen eines schweren Unfalls. Der Moment des Augenblickes führte die Lebensgefährlichkeit des Lebens vor. Riderman war arg betroffen, noch nie hatte er einen Unfallvorgang aus solch kurzer Distanz so deutlich und klar miterlebt, tagelang wiederholten sich die Bilder im Zeitlupentempo vor seinen Augen. Er erzählte mir, wie er schon mehr als einmal Situationen aus allen Gefahrenbereichen des Lebens, auch die der Sondergröße XXL, relativ unbeschadet überstanden hat. Sein Schutzengel konnte bisher immer in kurzen und vertrauensvollen Verhandlungen mit dem Schicksal, eine Härtereduzierung der Folgen in einem gerechten Vergleich vereinbaren. Ebbe und Flut. Que sera, sera.

Zum frühen Nachmittag hin hatten wir nach siebzig gemütlich gefahrenen Kilometern Frederikshavn erreicht. Der dortige Campingplatz war der absolute Hit an Service, Freundlichkeit und Preis - Leistungsverhältnis, Riderman entschied für die nächsten vier Nächte bis zur Weiterfahrt nach Göteborg hier zu bleiben. Abends besorgten wir uns noch eine Schiffskarte für den folgenden Sonntag, was sich als recht zeitaufwendig und nervig herausstellte. Das Büro der Stena - Line war an gut versteckter Stelle im Hafen untergebracht und das Finden entsprach dem Schwerestandard einer Pfadfinder-Orientierungsprüfung. Eine Buchung online übers Internet ist ratsam, zumal die Buchungsgebühr gespart wird, was allerdings den Job der netten Dame am Verkaufsschalter nicht nachhaltiger macht, auch ist in einem Hafen immer viel zu sehen.

Drei Tage nahmen wir uns Zeit die nördliche Region Dänemarks zu erkunden. Als erstes fuhren wir am nächsten Morgen nach Grenen, dem nördlichsten Punkt Dänemarks. Vor Skagen führte der Radfahrweg durch die "Hulsig Hede" einem Naturschutzgebiet, welche uns teilweise sehr an die Lüneburger Heide erinnerte. An manchen Stellen sahen wir Schiffe in der Ferne am Horizont auf ihrer Fahrt durch das Kattegat, dies wirkte dann ein wenig wie am Suezkanal auf uns. Die Stille - Singular, es gibt nur eine - aalte sich in der Sonne, nicht mal ein Blätterrauschen war zu vernehmen. Ein Genuss für jedes vom Lärm verdorbene Großstadtohr. Kurz vor Skagen war ein Rast- und Lagerplatz, mit geschützten Schlafplätzen in Holzunterständen, einem Grillplatz mit Tischen und Bänken. Alles war picobello, kein Abfall lag herum, nichts beschädigt, keine dahin gesprühten Hinweise, dass Paul noch immer Paula liebe - und das alles in unmittelbarer Nähe zu einer Stadt. Glückliches, friedliches Dänemark. Riderman bekam den Mund nicht mehr geschlossen und verspürte Sozialneid. In Grenen endet der Radweg und auch die Straße wie abgehackt und hinter den Dünen sieht man an der Farbe des Wassers wo Nord- und Ostsee aufeinander treffen. An dieser wohl während des Weltkrieges strategisch wichtigen Stelle, errichteten unsere nazianalsozialistisch orientierten Väter und künftige Urgroßväter dauerhafte Nachlässe der deutschen Betonbunkerbaukunst. Die Dänen unterhalten heute eine Radaranlage gleich nebenan. Safety first, oder so.

Anderntags fuhren wir rüber zur Nordseeseite, schauten uns unteranderem eine Kirche an, welche wie häufig in Dänemark mitten in der Gegend fernab einer Ortschaft erbaut wurde und wir fragten uns wie die Menschen früher ohne Auto zu ihr kamen; per pedes apostolorum - powered by the spirit of Martin? Sie stand auf einem kleinen Hügel, ihre Schlichtheit hatte sie zur Schönheit werden lassen, eine der Zeit trotzende Festung des Friedens. Uns ging es gut. Für Riderman gab im Schatten einer Konditorei Kuchen satt und mein frischaufgelegtes Kettenöl duftete sommerlich. Ein Pferd genoss seinen augenscheinlich wohl verdienten Mittagsschlaf, Ole Olsen stockte mit seinem Kleinlasterkombirasenmäher die Biervorräte für das als hochsommerlich warm angekündigte Wochenende auf, ein amerikanischer Rentner war mit so einem Teil seinen Bruder über hunderte von Kilometern besuchen gefahren, hatte Ole wohl auch gelesen und dachte sich ist alles machbar wenn man will. Eine Kuh wirkte als sie auf einem aufgeschütteten Erdhügel stand, wie ein Denkmal für eine dereinst gewonnene Schlacht. Für Riderman gab´s nochmal Eis soviel er wollte; eine schöne Woche war zu Ende gegangen und wir freuten uns auf die Weiterfahrt nach Schweden am Sonntagmorgen.

© by Peter Bauermann, 2008

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