Heide, wieder mal
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Mit ein paar Tagestouren, unter anderem durchs Alte Land, nach Glückstadt und Itzehoe gelang es Riderman zusehends mehr und mehr sich den Frust von der Seele zu fahren. Eine Toure führte uns vorbei am Airbuswerk in Finkenwerder, dort konnten wir uns von der Größe des Skylinks welcher einzelne Flugzeugsegmente aus Toulouse zur Montage nach Hamburg bringt sehr beeindrucken lassen. Entlang der Elbe, durchs Alte Land dem größten zusammenhängende Obstanbaugebiet Mitteleuropas, fuhren wir bis Wischhafen um dort mit der Elbfähre nach Glückstadt überzusetzen, die Elbe ist hier recht breit und man kreuzt die Fahrrinne der großen Überseeschiffe auf deren Weg in oder aus dem Hamburger Hafen. Ein paar Kilometer stromabwärts ist das Atomkraftwerk Brokdorf zu sehen, in dessen unmittelbarer Nähe in der Mitte der achtziger Jahre ein abstürzender Kampfjet der Bundesluftwaffe einschlug, so massiv und krachend, dass im gesamten Kreis Steinburg die Tassen vor Entsetzen in die Luft sprangen; bleibt zu hoffen, dass der Beton im Fall der Fälle bereits gut durch gehärtet gewesen wäre. Glückstadt und Itzehoe, den gesamten Kreis Steinburg fuhren wir ab und Riderman machte ordentlich auf Nostalgie; ein Jahrzehnt hatte er hier gelebt.

In der Pfingstwoche fuhren wir dann zum Zelten in die Nordheide, auf einen der nach Riderman´s Ansicht besten Campingplatze diesseits des Urals: "Roeders - Park" in Soltau. Riderman empfindet die Heide als eine Oase des Friedens. Gelassenheit verspürt er immer wieder aufs neue dort. Kinderarzt Dr. Sonnenschein praktiziert noch immer. Die Zukunft verschmilzt mit der Vergangenheit im Tiegel der Gegenwart zur Zeitlosigkeit. Von Soltau aus machten wir etliche Tagestouren und legten einige hundert Kilometer in der knappen Woche zurück. Auf dem Weg nach Celle kommen wir in Becklingen an einem britischen Militärfriedhof vorbei, was Riderman immer mit einem kurzen Besuch verbindet. Es ist schon viel Phantasie notwendig um sich vorzustellen, welche schweren Kämpfe hier noch im April 45 stattgefunden haben. 2.374 Soldaten aus sechs Ländern liegen hier begraben. Vor einigen Jahren war der Grabstein eines jungen australischen Soldaten der hier begraben ist, eingewickelt in das weiße Oberhemd, welches er bei seiner Abschiedsparty trug, den Abend bevor er Australien für immer verließ. Seine Schwester hat es ihm um die halbe Welt, nach einem halben Jahrhundert hierher nach getragen. Der Friedhof grenzt direkt an einen Nato Truppen Übungsplatz - crying and dying - multi nix kulti, es fließt auch wieder deutsches Blut, ... "sag mir wo die Blumen sind". Die Gedenkstätte Bergen - Belsen erinnert an die sehr dunkle Seite der jüngeren Vergangenheit. Riderman weiß wie sehr das so schöne Heidegefühl subjektiv ist und leicht gefährlich werden kann.

In der Nähe von Schneverdingen entdeckten wir das Buddhistische Meditationshaus des Tibetischen Zentrums Hamburg. Tibet? Der Dalai Lama war gerade zu Besuch in Deutschland, unser Bundespräsident und einige andere Politiker hatten aber den Kalender gestrichen voll. Im Gegensatz zu uns, wir hatten momentan gut und reichlich Zeit, machten deshalb Touren durch die Heide, bis zum abwinken, nicht Richtung Nordkap dafür aber kreuz und quer. Für's EM - Endspiel hatten wir aber wieder alle Zeit. Als wir zu Pfingsten wieder nach Hause fuhren hatten wir etliche Kilometer in den Knochen, respektive in der Kette und Riderman konnte mit seiner Entscheidung den Nordtrip abgebrochen zu haben jetzt im Einklang leben, meistens. Ich fragte ihn, ob es dass jetzt mit dem Nordkap war und er antwortete: "zweimal ist Hamburger Recht". Der Hafen feierte Geburtstag und die Hafenfähre umfuhr tief beeindruckt ein einlaufendes Segelschiff. Riderman war danach, leise pfiff er "La Paloma" in den Nordwind.

© by Peter Bauermann, 2008

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