Ende, und gut![]() Riderman kam der Anfrage seines Arbeitnehmers - er produziert ja eine Dienstleistung die er weitergibt ist folglich ja eigentlich der Arbeitgeber - nach und verkürzte seine auf vierzehn Wochen ausgelegte Auszeit um einen Monat. Auch so hatten wir noch reichlich Zeit und rundeten unseren "Sommer der geplatzten Träume" mit einer Abschlusstour in die Nordheide ab. Nach ein paar Tagen Matratzenabhördienst brachen wir in Richtung Soltau auf. Riderman hatte trotz der drei Tausend bereits gefahrenen Kilometer keine physiologischen Probleme. Gelenke, Muskeln alles tip und top. Seine psychosomatischen Störungen setzten ihm aber seit Puttgarden bis an die Grenze der Erträglichkeit zu. Diesmal terrorisierten sie ihn in kleinen Räumen und in den Warteschlangen der Supermarktkassen. Oberhammerhart. Der Boden begann langsam sich in ein Surfbrett bei aufkommendem Wind zu verwandeln. Die Panik wurde durch Hitzewellen und Schweißausbrüchen wie in einem Reaktor auf Hochtourigkeit getrimmt. Das Wissen dies aushalten zu können und zu wollen, powered by the brave heart of a long distance runner, ermöglichte, dass er mir stolz irgendwann doch seine Einkäufe zeigen konnte. Zitternd. In aller Frühe brachen wir auf, in Steinbeck einer kleinen Ortschaft an der B 75 machten wir kurz Besuch am dortigen Massengrab, eines von unzählig vielen aus dem Nachlass tausendjähriger Reichsgeschichte. Wir waren schon oft dort, wie es sich mit der Erfüllung der Pflicht verhält haben wir aber noch nicht so richtig verstanden. In Welle bei Bäcker Weiss und dessen Sohn macht Riderman immer eine ausgiebige Pause, es wird dort fair gehandeltem Kaffee ausgeschenkt, kaum zu glauben aber wahr. Von dort bis Soltau sind es nur noch dreißig Kilometer und gegen Mittag trafen wir im Zentrum der abendländischen Campingplatzkultur "Röders - Park" ein. Am Nachmittag machten wir uns einen Bunten in Soltau, der durch eine Fight Riderman vs. REWE - Kassenwarteschlange doch sehr eingetrübt endete. In den nächsten Tagen überrollten die psychosomatischen Störungen ihn immer heftiger und verkehrten das Betreten eines Raumes in eine Horroshow. Riderman hatte arg zu kämpfen, am besten wäre es gewesen den auslösenden Grund einfach zu vergessen aber dieser fiel ihm nicht mehr ein. So ging es noch eine lange Zeit auf und nieder, kreuz und quer in seinem Kopf, bis sie sich eines Tages, als wir schon wieder zurück in Hamburg waren, nicht mehr meldeten. Sie hatten wohl ein neues Opfer gefunden. Da sich die Attacken auf Räume beschränkten konnten wir glücklicherweise unsere Tagestouren wie geplant durchführen. Ein paar hundert Kilometer Heidefahrt gönnten wir uns, wenn auch nicht unbeschwert so doch bei super Sommerwetter. Auf allen Straßen Deutschlands treffen wir immer wieder auf Gedenktafeln für Verkehrsopfer, es wären genug zur Belegung eines Kleinstadtfriedhofes, so passierten wir auch den Sterbeort von Sina. Ihr früher Tod berührte uns irgendwie besonders und lange dachte Riderman darüber nach wer Sina wohl gewesen sein mag. Das zu einer Gedenkstätte hergerichtete Massengrab der Opfer der Heidebahn KZ-Züge auf dem Handeloher Friedhof besuchten wir nach langer Zeit auch mal wieder. Riderman versteht bis heute nicht, wie ein Nazibürgermeister über Jahre herzlose Ideologie mit verbreiten, eine Dorfbevölkerung in unmittelbarer Nähe eines Konzentrationslagers lebend, sich abends auf den Frieden der Nacht freuend, ins mehr oder weniger frische Bett legen kann, der Menschlichkeit bewusst oder durch Verdrängung die Solidarität verweigert, um eines Tages als das Verbrechen Gesichter bekam, Menschlichkeit zu beweisen. Wieso hatten zuerst das Schlechte und dann doch das Gute gegriffen. Der Geist Eichmann und Mutter Theresa paritätisch in jeder Seele wohnend, fein austariert und das Gewicht eines Staubkornes entscheidet über Leben oder Tod? Manchmal ist es leichter Fahrrädin zu sein. Noch einige Touren folgten, die Kilometer glitten so unter meinen Schwalbe "MARATHON EXTREME DOUBL DEFENSE" Reifen, welche mir ja von der Firma Bohle zum Testen anvertraut wurden, dahin. Nach viertausend Kilometern sahen sie noch immer wie soeben neu aufgezogen aus. Riderman und ich waren gleichsam begeistert. Ein Sturm fegte über Norddeutschland hinweg, in Emden beschädigte er 30.000 VW - Neuwagen im dortigen Auslieferungslager. Seine Rache am größten Umweltschädling? Unser "Hogan Ultralight" Zelt der Firma Vaude trotzte der Natur voller Demut seinen ersten Sieg ab und überstand ihn völlig souverän. Reifen und Zelt bekamen von Riderman eine © by Peter Bauermann, 2008 - Seitenübersicht - |
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